2013 ·Archiv ·IT-Sicherheit & Datenschutz

[Archiv] Datenschutz – Wann fangen Sie an ?

Daten sind das Rohöl unserer Zeit, man kann sie verschusseln, verscherbeln oder verschludern. Man kann aber auch bewusst mit ihnen umgehen. Wenn ich von Datenschutz spreche, werde ich oft gefragt, was dies eigentlich sein soll. Auf den ersten Blick scheint diese Frage auch ziemlich trivial zu sein. Datenschutz beschreibt den Schutz von Daten.

„Datenschutz beschreibt den Schutz von Daten“

Aber was sind Daten eigentlich und vor wem sollen sie geschützt werden? Also Daten sind rein technisch gesehen eine Ansammlung von verschiedenen Nullen und Einsen. Der Computer interpretiert diese zu den von uns Menschen lesbaren und interpretierbaren Informationen.

Müsste es dann nicht Informationsschutz heißen? Im Grunde genommen ja, denn es geht beim Datenschutz weniger um den Schutz der Daten an sich als vielmehr um den daraus interpretierbaren Informationen. Da man aber auch schon aus der Beziehung von Daten, den sogenannten Metadaten, zum Beispiel aus einer Datenbank mit Anrufern und gewählten Nummer eine Menge Information herleiten kann, ist Datenschutz trotzdem richtig.

„Ich habe doch nichts zu verbergen?“

„Und wie so ist es jetzt so wichtig, dass diese Daten geschützt werden? Ich habe doch nichts zu verbergen?“ – Daten müssen deshalb geschützt werden, da in unserer modernen Informationsgesellschaft immer mehr Daten über eine Person anfallen und immer mehr Unternehmen und Behörden diese sogenannten personenbezogenen Daten sammeln.

„Worin liegt denn jetzt genau die Gefahr?“

Vielleicht fragen Sie sich was daran so gefährlich, wenn es doch den Komfort erhöht? Als Benutzer eines Angebotes wie zum Beispiel der Cloud schätzt man die Gefahr des Datenmissbrauchs als relativ gering ein und wiegt sich leicht in der Illusion, dass die von Ihnen produzierten Daten keinen interessieren. So vergisst man oft, dass wohl kaum jemand möchte dass jemand mehr über einen weiß als man selbst.
Das klingt zunächst nach Science Fiction, wieso sollten jemand nur anhand meiner Daten mehr über mich wissen, als ich selbst? Das Problem besteht jedoch darin, dass genau dorthin die aktuelle Entwicklung der Informatikbranche geht. Man entwickelt schnellere Serversysteme und Netzwerke um leistungsfähigere Datenbanken zu hosten und Algorithmen auf Datenjagd zuschicken. Dateien werden von Benutzern nicht mehr dezentral auf dem eigenen Rechner, sondern zentral in der Cloud eines Dienstanbieters wie Google, Microsoft oder zum Beispiel in Deutschland der Deutschen Telekom gespeichert. Dort liegen aber nicht nur Dateien, sondern auch E-Mails. Immer mehr Internetprovider bieten ihren Festnetz und Mobilfunkkunden darüber hinaus die Möglichkeit ihr gesamtes digitales Leben von einer Plattform zu managen. Mein Mobilfunkanbieter bietet mir zum Beispiel die Möglichkeit nicht nur meine Vertragsdaten über das Kundencenter zu verwalten, sondern auch Dateien auf einem für mich eingerichteten Clouddrive abzulegen. Zusätzlich kann ich noch eine E-Mail Adresse bei ihm einrichten und alle meine E-Mails komfortabel auf den Servern des Anbieters speichern. Er bietet mir darüber hinaus auch an ganz komfortabel Filme oder E-Books auszuleihen. Eigentlich super müsste man meinen.

„Die Macht der Anbieter „

Wenn man betrachtet wie viel Macht man dem Anbieter damit über seine Mündigkeit gibt, ist das Ganze aber auf einmal ein ziemlich unbequemes Thema. Der Anbieter kommt durch das zusätzliche Verwenden des E-Maildienste nicht nur einen genauen Einblick über unser soziales Umfeld nein, er kann anhand der Daten sogar vorher sagen wen wir mögen, wen wir hassen und in wen wir uns verlieben werden. Auch beruflich und privat weiß er bestens über uns Bescheid. Schließlich lagern in der Cloud nicht nur die Fotos aus dem letzten Urlaub, sondern auch die Präsentation zu dem neuen Produkt welches wir in der Firma vorstellen sollen. Er weiß dass wir gerne Thriller lesen und am Wochenende gerne Erotische Filme ab 18 in seine Mediathek ausleihen, daraus schließt er dass wir wahrscheinlich allein leben und vermutlich männlich sind. Durch die Verbindungsdaten unseres Handys mit den Mobilfunkmasten kann er voraussagen, wo wir uns Montagabends aufhalten. Oder wo dieses Jahr Urlaub machen werden ? Diese Information kann er an ein Reisebüro verkaufen, was uns dann eine E-Mail mit ausgewählten Angeboten für genau diesen Ort zusendet. Auf dem Handy sehen wir beim Browsen im Web immer wieder Werbung von Partnerbörsen, und suchen wir nach Nachrichten so werden uns als erstes die Nachrichten angezeigt die zu unserer politischen Einstellung passen.

“ Industrie 4.0, Big Data und die Cloud“

Wie ihr sicher gemerkt habt ist vieles davon gar nicht so abwegig und es kommt noch mehr, dass Trendthema des vergangenen Jahres hieß schließlich Industrie 4.0. Dieses Thema bezog sich zwar zunächst nur auf den industriellen Sektor, im privaten Bereich nimmt das Zusammenwachsen unserer analogen Lebenswelt mit dem digitalen aber auch immer mehr zu. Plötzlich kann meine Kaffeemaschine neuen Kaffee bestellen. Mein Fenster sendet mir eine WhatsApp Nachricht aufs Handy um mir zu empfehlen das Fenster mit einem Tipp auf mein Smartphone zu schließen, da es von der Heizung erfahren hat, dass die Temperatur zu stark gesunken ist. Die Waschmaschine bittet darum angeschaltet zu werden, da es vom Smartgrid des Kraftwerkes erfahren hat, dass gerade viel Strom im Netzwerk vorhanden ist. Der Fußboden erkennt mit Sensoren wohin ich mich bewege und öffnet automatisch die Zimmertür. Wenn ich stürze erkennt er das auch und sendet einen Notruf. Das Auto erkennt wen wir einen Unfall bauen und wählt automatisch den Notruf, in Zukunft werden sich die Autos von ganz allein fahren und sich gegenseitig über Geschwindigkeit, Unfälle und erhöhtes Verkehrsaufkommen austauschen ohne das wir davon etwas mitbekommen. Prototypen sind dazu Apps wie Whaze oder die integrierte Funktion in Bordcomputern von neuen Autos die zum Beispiel im Navi bei Stau automatisch eine andere Route berechnen und vorschlagen.

Wir schenken in Zukunft immer mehr Algorithmen die Macht über unser Leben, irgendwann sind es deshalb nicht die mehr die Unternehmen vor denen man seine Daten schützen muss, sondern die „smarten“  Maschinen. Bei allen vorgestellten Entwicklungen ist es deshalb wichtig etwas für den Schutz seiner Daten zu tun, damit man nicht irgendwann Sklave seiner eigenen Erfindung ist.

Datenschutz – und wann fangen Sie an?

 

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